Wildbienen und Einsiedlerwespen - nützlich und gefährdet

Von Dr. Ludwig Erbeling

 

Bekannt sind meist nur ihre nützlichen Verwandten, die honigproduzierenden Bienen und ihre „bösen“ - da stechenden - Verwandten, die Wespen. Wildbienen und Einsiedlerwespen, übrigens völlig harmlos, kennt kaum jemand. Dennoch haben Wildbienen als Bestäuber von Blüten und Einsiedlerwespen als Schädlingsvernichter eine große ökologische Bedeutung. Stark gefährdet durch Zerstörung ihrer Nistplätze und Nahrungsquellen, Verödung von Gärten sowie durch „Pflanzenschutzmittel“ sind sie daher vom Gesetzgeber unter Schutz gestellt. Trotzdem mußten von den 547 deutschen Wildbienenarten 284 (= 52%) in der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands aufgenommen werden! (Anm.: Stand 1999)

 

Wenn man ein Kind fragt, woran man Wespen und Bienen erkennt, bekommt man als Antwort sicher, dass Wespen schwarz-gelb sind und stechen und dass Bienen Honig herstellen. Ganz allgemein unterscheiden sich Bienen und Wespen vor allem in der Nahrung ihrer Larven: Bienenlarven leben vegetarisch, Wespenlarven werden mit anderen Insekten oder deren Larven versorgt. Ansonsten ist ihr Aussehen sehr variabel, Bienen sind jedoch meist deutlich pelzig behaart, Wespen dagegen meist unbehaart. Man kann Bienen grob in drei Gruppen einteilen: die sozial, in Völkern lebenden Honigbienen und Hummeln, die einzeln, solitär lebenden Wildbienen und die schmarotzenden Kuckucksbienen.

 

Wildbienen - keine Imkerflüchtlinge!

 

Am Beispiel der Mauerbiene (Osmia rufa) soll die Lebensweise von Wildbienen verdeutlicht werden. Bei dieser honigbienengroßen Art sind Kopf und Brust dunkel, der Hinterleib ist vorne oberseits rotbraun, hinten schwarz. Als Nest bevorzugt die Mauerbiene fünf bis sieben Millimeter große Löcher in Holz, Mauerwerk oder hohlen Stängeln. Von Anfang April bis Juni suchen die begatteten Weibchen ohne männliche Hilfe Nestgänge, in denen sie manchmal bis zu zehn Zellen hintereinander anlegen: Bis auf eine werden alle mit „Bienenbrot“ gefüllt - einer Mischung aus Pollen und Nektar. Darauf wird je ein Ei gelegt. Die Zwischenwände zwischen den einzelnen Brutzellen werden mit feuchtem Lehm gemauert. Allerdings bleibt die vordere der Zellen unversorgt: unerfahrene Meisen gucken so im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre. Bereits nach wenigen Tagen schlüpft die Larve und ernährt sich etwa drei bis vier Wochen von ihrem Bienenbrot. Danach spinnt sie sich in einem Kokon ein und verpuppt sich.

 

Die fertige Biene schlüpft am Ende des Sommers und überwintert in der Niströhre, um dann erst im nächsten Frühjahr zu erscheinen. Bienen besitzen übrigens ausreichend Frostresistenz, um unsere Winter zu überstehen.

 


Ausschnitt aus einem Nistgang einer Mauerbiene. Die erste Zelle bleibt leer, um Vögel zu täuschen. Die Zellen zwei bis vier zeigen unterschiedliche Entwicklungsstadien: Ei, fressende Larve und Puppe. Zwischenwände und Eingang werden mit Lehm zugemauert.

 

Skizze: Dr. Erbeling


Kuckucksbienen schmarotzen bei ihren Verwandten

 

Man darf ihre Nester - etwa in einer Baumstammscheibe - auf gar keinen Fall ins Haus holen, da die Bienen sonst zu früh schlüpfen und verhungern. Kuckucksbienen schmuggeln ihre Eier in Brutzellen anderer Bienen, deren Brut abgetötet wird. Sie betreiben also keine eigene Brutfürsorge. Einsiedlerwespen leben prinzipiell ähnlich, versorgen ihre Brutzellen jedoch mit gelähmten Insekten, Insektenlarven oder Spinnen.

 

Im Garten, am Haus, auf dem Balkon - überall kann man Wildbienen und Einsiedlerwespen Schutz und Lebensraum bieten. Eine einfache Methode ist das Anbringen von mindestens 10 cm dicken Baumstammscheiben aus abgelagertem Hartholz (z.B. Eiche, Buche, Esche, Nadelholz ist ungeeignet, da es zu sehr fasert). Dazu bohrt man im Abstand von wenigstens zwei Zentimetern zwei bis zehm Millimeter (bevorzugt drei bis sechs Millimeter) große Löcher in die Scheiben, glättet die Oberfläche mit Schmirgelpapier, klopft das Bohrmehl heraus und hängt die Scheiben an sonnigen Stellen am Haus oder im Garten auf, so daß die Gänge waagerecht angeordnet sind. Bei ungünstiger Witterung oder nachts werden die Löcher übrigens auch als Unterschlupf benutzt.

 

Ein Hotel für Wildbienen - eine Holzscheibe hilft schon

 

Eine andere Möglichkeit Nistmöglichkeiten anzubieten sind Lochziegel oder Blechdosen, die man mit Halmen von Bambus, Schilf, Stroh, Holunder oder Staudenknöterich dicht füllt. Das hintere Ende wird unterhalb eines Knoten abgeschnitten und ist so verschlossen, das vordere Ende offen. In verschiedenen Nisthilfen wird man verschiedene Arten antreffen.

 

Eine Kombination dieser Nisthilfen bieten Wildbienenhotels. In z.B. aufgemauertem Lehmfachwerk finden sich als Nistplätze Baumstammscheiben, Pflanzenstengel, Lochziegel und Bohrlöcher im Lehmmörtel selbst.

 

Von März bis Oktober wird man so ein reges Treiben beobachten können, obwohl die einzelnen Arten immer nur wenige Wochen aktiv sind. Da erste Arten jedoch schon ab Mitte März fliegen, sollten die Nisthilfen schon jetzt bereit sein. Und um es noch einmal zu betonen: Wildbienen und Einsiedlerwespen sind völlig harmlos!

 

Ohne Wildbienen keine Früchte und Samen

 

Eine weitere wichtige Hilfe für die Tiere ist die Verbesserung des Nahrungsangebotes. Hier kann schon ein Balkonkasten helfen. Ein vielfältiges Blütenangebot zu unterschiedlichen Jahreszeiten nutzbar ist optimal. Jedoch sollte auf nicht heimische Arten wie Forsythien, Geranien oder Petunien verzichtet werden, auch Nadelhölzer werden natürlich nicht besucht. Ein „gut“ gepflegter, „unkraut“freier Rasen, bleibt im Vergleich mit einem von Wildblumen durchwachsenen Rasen eine ökologische Wüste. Heimische Bäume, Sträucher, Stauden und Kräuter gibt es ausreichend. Während einige Wildbienenarten Pollen an ihren Beinen sammeln, gehört die Mauerbiene zu den Bauchsammlern: sie sammelt Pollen mit einer Vorrichtung am Bauch, der „Bauchbürste“. Eine Brutzelle zu füllen dauert übrigens etwa einen Tag.


Mauerbiene mit gefüllter Bauchbürste an einem Nistgang.

 

Foto: Gudrun Kairat

 


Unter den Blütenbesuchern gibt es Generalisten, die eine Vielzahl von Pflanzen aus unterschiedlichen Familien besuchen aber auch Spezialisten, die beispielsweise auf Glockenblumen oder Königskerzen spezialisiert sind. Auch viel Gewürze oder Küchenkräuter sind beliebt: Ysop, Thymian, Melisse, Salbei, Beinwell oder Fenchel.